Wirtschaftsnachrichten LBG

Erbschaft

Grundsätzlich wird seit dem 1. August 2008 keine Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer mehr erhoben. Bei Erbschaften von Grundstücken kann es allerdings dennoch zu einer erheblichen Steuerbelastung kommen.

Für die Übertragung von Grundstücken im Erbwege fällt einerseits Grunderwerbsteuer (GrESt) an. Bei nicht land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken bildet die Bemessungsgrundlage der Grundstückwert. Der Steuersatz ist dabei grundsätzlich gestaffelt und beträgt für die ersten EUR 250.000 0,5%, für die nächsten EUR 150.000 2%, und darüber hinaus 3,5%. Werden land- und forstwirtschaftliche Grundstücke innerhalb des begünstigten Familienverbandes vererbt, so wird die GrESt vom einfachen Einheitswert berechnet. Der GrESt-Satz beträgt in diesen Fällen 2%. Bei Erbschaften von land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken außerhalb des Familienverbandes bildet die GrESt-Bemessungsgrundlage grundsätzlich der gemeine Wert, wobei der eingangs dargestellte gestaffelte Steuertarif zur Anwendung gelangt.

Darüber hinaus ist zu beachten, dass für die Eintragung des Eigentumsrechts in das Grundbuch eine Grundbuchseintragungsgebühr in Höhe von 1,1% vom dreifachen Einheitswert (sofern die Übertragung im begünstigten Familienverband erfolgt; ansonsten bildet der Wert des jeweils einzutragenden Rechts die Bemessungsgrundlage) zu entrichten ist.

Aus ertragsteuerlicher Sicht führen Übertragungen im Erbwege grundsätzlich zu keiner Steuerpflicht. Werden Grundstücke jedoch im Erbwege gegen Leistung einer Ausgleichszahlung, die aus nachlassfremden Mitteln stammt, übertragen, kann es abhängig von der Höhe der Zahlung dennoch zu einer Immobilienertragsteuerbelastung kommen.

Beispiel:
Ein Nachlass besteht aus einem Grundstück (gemeiner Wert EUR 100.000). Ein Testament ist nicht vorhanden. Erbberechtigt sind die beiden Kinder des Verstorbenen. Bruder und Schwester kommen überein, dass das Grundstück zur Gänze vom Bruder übernommen werden soll. Im Gegenzug verpflichtet sich dieser, seiner Schwester für deren Anteil am Grundstück einen Wertausgleich zu leisten. Der Bruder zahlt daher seiner Schwester entsprechend dem Wert des halben Grundstücks EUR 50.000 aus seinem Vermögen. Da die Geldzahlung aus nachlassfremden Mitteln entrichtet wird und den halben gemeinen Wert des bemessenen Erbteiles (EUR 25.000) der Schwester übersteigt, liegt eine steuerpflichtige Veräußerung des steuerlichen Miteigentumsanteils der Schwester am Grundstück vor.

Um negative ertragsteuerliche Konsequenzen von Grundstücksübertragungen im Erbwege zu vermeiden, empfiehlt es sich rechtzeitig vorbereitende Maßnahmen zu ergreifen. So könnte etwa – abhängig von den Umständen im jeweiligen Einzelfall – eine Grundstücksschenkung noch zu Lebzeiten mit Ausgleichszahlungen eine unerwünschte Steuerbelastung sowie den Verlust einer etwaigen Altvermögenseigenschaft verhindern. Bei der Umsetzung jener Variante, die in Ihrem individuellen Fall zu einer steueroptimalen Lösung führt, unterstützen und beraten wir Sie gerne!

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